„Mama, alle in meiner Klasse bekommen mehr Taschengeld als ich!“ Wenn du diesen Satz schon einmal gehört hast, bist du damit nicht allein. Die Frage, wie viel Taschengeld für welches Alter angemessen ist, beschäftigt fast jede Familie irgendwann. Zu wenig, und dein Kind fühlt sich ausgeschlossen. Zu viel, und es lernt nicht, mit Geld hauszuhalten. In diesem Artikel bekommst du eine aktuelle Taschengeldtabelle, konkrete Beträge nach Alter, die wichtigsten Spielregeln und ein paar praktische Tipps, wie ihr das Thema Geld entspannt in euren Familienalltag einbaut.
Warum Taschengeld mehr ist als nur ein paar Euro
Taschengeld ist das erste eigene Budget, das ein Kind je verwaltet. Es ist ein geschützter Raum, in dem Fehler kaum etwas kosten: Wer sein ganzes Taschengeld für Kaugummi ausgibt, merkt spätestens am nächsten Wochenende, dass das Geld fehlt und lernt daraus, ohne dass die Familie in eine finanzielle Schieflage gerät.
Studien des Deutschen Jugendinstituts (DJI) zeigen immer wieder: Kinder, die früh und regelmäßig eigenes Geld verwalten dürfen, entwickeln ein realistischeres Gefühl für Preise, Sparen und Konsum als Kinder, die erst als Teenager damit in Berührung kommen. Taschengeld ist also weniger eine Belohnung als vielmehr ein Lernwerkzeug, vergleichbar mit dem Fahrradfahren mit Stützrädern.
Ab wann sollten Kinder Taschengeld bekommen?
Ein festes Startalter gibt es nicht. Als Faustregel gilt: Sobald ein Kind erste Zahlen versteht und beim Einkaufen begreift, dass Dinge etwas kosten, kann es mit kleinen Beträgen üben. Bei den meisten Kindern ist das mit vier bis fünf Jahren der Fall. Spätestens mit dem Schuleintritt sollte ein regelmäßiges, kleines Taschengeld eingeführt sein.
Am Anfang zählt nicht der Betrag, sondern das Ritual: ein fester Wochentag, ein kleiner Geldbeutel und die Erfahrung, dass das Geld verlässlich kommt – unaufgefordert und ohne Bedingungen.
Gibt es eine gesetzliche Regelung zur Höhe des Taschengelds?
Nein. In Deutschland gibt es keine gesetzliche Pflicht, Taschengeld zu zahlen, und auch keine vorgeschriebene Höhe. Kinder haben also keinen einklagbaren Anspruch darauf. Häufig wird in diesem Zusammenhang der sogenannte „Taschengeldparagraph“ (§ 110 BGB) genannt. Dieser regelt aber lediglich, dass Kinder mit Mitteln, die ihnen zur freien Verfügung überlassen wurden, kleine Käufe (zum Beispiel Süßigkeiten oder ein Comic-Heft) auch ohne Zustimmung der Eltern wirksam abschließen dürfen. Über die Höhe des Taschengelds sagt der Paragraph nichts aus.
Die einzige Ausnahme betrifft getrennt lebende Eltern: Hier kann Taschengeld im Rahmen des Kindesunterhalts eine Rolle spielen. Für den ganz normalen Familienalltag gilt jedoch: Die Höhe liegt allein in eurer Verantwortung. Orientiert an eurem Einkommen und daran, was euer Kind davon bestreiten soll.
Die Taschengeldtabelle 2026 im Überblick
Auch wenn es keine gesetzliche Vorgabe gibt, ist niemand allein gelassen: Das Bundesministerium für Familie veröffentlicht über das Familienportal des Bundes eine Orientierungstabelle, die auf einer Expertise des Deutschen Jugendinstituts (DJI, Stand 2025) basiert. Jugendämter greifen in der Beratung auf dieselben Richtwerte zurück. Die folgende Tabelle fasst die aktuellen Empfehlungen zusammen:
| Alter | Empfohlener Betrag | Rhythmus |
| unter 6 Jahren | 1,00 – 2,00 € | pro Woche |
| 6 – 7 Jahre | 2,00 – 3,00 € | pro Woche |
| 8 – 9 Jahre | 3,00 – 4,00 € | pro Woche |
| 10 – 11 Jahre | 15,00 – 25,00 € | pro Monat |
| 12 – 13 Jahre | 20,00 – 30,00 € | pro Monat |
| 14 – 15 Jahre | 25,00 – 45,00 € | pro Monat |
| 16 – 17 Jahre* | 40,00 – 60,00 € | pro Monat |
| ab 18 Jahre* | 55,00 – 75,00 € | pro Monat |
* Diese Beträge gelten für Jugendliche, die wirtschaftlich vollständig von den Eltern abhängig sind, zum Beispiel Schülerinnen und Schüler ohne eigenes Einkommen.
Wichtig: Diese Zahlen sind Richtwerte, keine starren Vorgaben. Wie viel bei euch angemessen ist, hängt vom Haushaltseinkommen, der Anzahl der Kinder in der Familie und den regionalen Lebenshaltungskosten ab. Im Zweifel gibt auch das örtliche Jugendamt Auskunft über aktuelle Richtgrößen.

Wöchentlich oder monatlich? Der richtige Auszahlungsrhythmus
Bis zum zehnten Lebensjahr können die meisten Kinder noch nicht über einen ganzen Monat hinweg planen. Deshalb empfiehlt es sich, das Taschengeld bis einschließlich neun Jahren wöchentlich auszuzahlen. So bleibt der Zusammenhang zwischen Ausgeben und Sparen greifbar.
Ab zehn Jahren wird auf eine monatliche Auszahlung umgestellt. Das ist bewusst herausfordernder: Das Kind muss lernen, eine größere Summe über mehrere Wochen einzuteilen – inklusive der Erfahrung, dass am Monatsende manchmal nichts mehr übrig ist. Genau diese Erfahrung ist pädagogisch wertvoll, solange die Eltern nicht vorzeitig „nachschießen“.
Budgetgeld: die nächste Stufe ab etwa 14 Jahren
Ab etwa 14 Jahren empfiehlt das DJI zusätzlich zum klassischen Taschengeld ein sogenanntes Budgetgeld. Während das Taschengeld für Kino, Süßigkeiten oder kleine Wünsche gedacht ist, deckt das Budgetgeld feste, wiederkehrende Ausgabenbereiche ab – etwa Kleidung, Schulmaterial oder die Handykosten.
Der Vorteil: Jugendliche übernehmen schrittweise Verantwortung für größere Summen und lernen, Prioritäten zu setzen: Etwa zwischen den neuen Sneakern und dem günstigeren Modell, wenn für beides kein Geld da ist. Als grobe Orientierung nennen Fachquellen für den größten Posten, die Kleidung, häufig 45 bis 65 Euro im Monat. Entscheidend ist aber, was ihr bislang ohnehin für Kleidung und Handy ausgegeben habt. Rechnet das am besten gemeinsam zusammen, bevor ihr einen Betrag festlegt.
5 Grundregeln für einen entspannten Umgang mit Taschengeld
1. Pünktlich und verlässlich auszahlen
Taschengeld sollte immer zum gleichen Zeitpunkt fließen. Am besten an einem festen Wochentag oder zum Monatsersten. Verlässlichkeit ist wichtiger als die genaue Höhe.
2. Nicht an Noten oder Hausarbeit koppeln
Taschengeld ist kein Lohn und keine Belohnung für gute Noten oder Mithilfe im Haushalt und auch kein Druckmittel bei Fehlverhalten. Es sollte unabhängig von Leistung gezahlt werden, damit es seine Funktion als Lernbudget behält.
3. Keine Kontrolle über jeden Cent
Sobald das Geld übergeben ist, entscheidet dein Kind selbst, wofür es ausgegeben wird auch wenn dir die Wahl manchmal wehtut. Ausnahmen sind sinnvoll bei Käufen, die euren Familienregeln widersprechen (zum Beispiel Altersfreigaben).
4. Fehlkäufe zulassen
Ist das Geld schon nach zwei Tagen weg, sollte es keinen Vorschuss geben. Genau diese Erfahrung – warten zu müssen – ist der eigentliche Lerneffekt.
5. Regelmäßig anpassen
Prüft mindestens einmal im Jahr, zum Beispiel zum Geburtstag oder Schuljahreswechsel, ob der Betrag noch zum Alter und zur Preisentwicklung passt. Zwischen 2020 und 2025 wurden die Beträge nicht durchgehend an die Inflation angepasst: Gestiegene Preise bei Kino, Eis oder Busfahrkarten schmälern sonst die Kaufkraft des Taschengelds spürbar.

Taschengeld ist nicht dasselbe wie Kindergeld
Ein häufiges Missverständnis: Taschengeld und Kindergeld werden manchmal in einen Topf geworfen. Das Kindergeld ist eine staatliche Familienleistung, die den Eltern zusteht und die grundsätzlichen Bedarfe des Kindes abdecken soll: Kleidung, Ernährung, Wohnen. Es ist keine gesetzliche Vorgabe, das Kindergeld eins zu eins als Taschengeld weiterzureichen. Taschengeld ist demgegenüber ein bewusst kleinerer, eigenständiger Betrag, über den das Kind frei verfügen darf. Beide Beträge erfüllen also völlig unterschiedliche Funktionen und sollten in der Familie auch getrennt betrachtet werden.
Und wenn mehrere Kinder im Haushalt leben?
Bei Geschwistern stellt sich schnell die Frage nach Gerechtigkeit. Die gängige Empfehlung: Jedes Kind bekommt den für sein Alter passenden Betrag aus der Tabelle, nicht denselben Betrag wie das ältere oder jüngere Geschwisterkind. Kinder verstehen in der Regel gut, dass „mehr Taschengeld“ mit „älter werden“ zusammenhängt, wenn ihr das offen kommuniziert und ältere Geschwister sich auch daran erinnern können, dass sie im gleichen Alter genauso viel bekommen haben. Wichtig ist vor allem eines: Legt die Systematik einmal fest und wendet sie bei allen Kindern gleich an, statt situativ zu entscheiden.
Was, wenn das Familienbudget knapp ist?
Die Tabellenwerte sind Empfehlungen keine Pflicht. Wenn das Familienbudget es gerade nicht hergibt, ist ein niedrigerer Betrag völlig in Ordnung. Wichtiger als die absolute Höhe ist, dass alle Kinder in der Familie nach dem gleichen, altersgestaffelten Prinzip behandelt werden und dass ihr offen erklärt, warum der Betrag ist, wie er ist. Kinder haben ein feines Gespür für Fairness. Transparenz schlägt hier fast immer die reine Zahl.
Wer den Familienhaushalt ohnehin gerade neu ordnet, findet in unserem Beitrag zur Haushaltsplan-Vorlage eine einfache Möglichkeit, alle Fixkosten und auch das Taschengeld sauber im Blick zu behalten.
Praktische Helfer für den Taschengeld-Alltag
Ob Spardose, Klassiker-Portemonnaie oder digitale Lösung: Ein paar praktische Tools erleichtern den Einstieg spürbar. Hier ein paar Ideen, die sich in der Praxis bewährt haben:
- Eine durchsichtige Spardose mit drei Fächern* (Sparen / Ausgeben / Spenden) macht das Prinzip schon für Vorschulkinder greifbar.
- Ein eigenes Kinderportemonnaie mit Fächern für Scheine und Münzen gibt jüngeren Kindern ein Gefühl von „das ist meins“.
- Ab etwa 10 Jahren lohnt sich ein kostenloses Kinder- oder Jugendkonto mit Prepaid-Karte – so lässt sich Taschengeld bargeldlos überweisen und das Kind sieht den Kontostand in einer eigenen App.
- Ein einfaches Taschengeldheft oder eine kleine Tabelle zum Selbstausfüllen hilft älteren Kindern, Einnahmen und Ausgaben nachzuvollziehen. Ganz ohne App.
Häufig gestellte Fragen zum Taschengeld
Muss ich meinem Kind überhaupt Taschengeld geben?
Nein, eine gesetzliche Pflicht gibt es nicht. Aus pädagogischer Sicht ist ein regelmäßiges Taschengeld aber sehr zu empfehlen, damit dein Kind frühzeitig einen eigenverantwortlichen Umgang mit Geld übt.
Was mache ich, wenn mein Kind sein Taschengeld sofort ausgibt?
Lass es zu. Ein leerer Geldbeutel vor der nächsten Auszahlung ist kein Grund für einen Vorschuss, sondern der eigentliche Lerneffekt. Sprich stattdessen in einem ruhigen Moment darüber, wie eine Aufteilung für die nächste Woche aussehen könnte.
Sollte ich das Taschengeld als Belohnung für gute Noten einsetzen?
Davon raten Fachleute ab. Taschengeld sollte unabhängig von Leistung gezahlt werden. Für besonderes Engagement kann stattdessen ein einmaliges, klar benanntes Extra sinnvoller sein als ein dauerhaft gekoppeltes System.
Wie passe ich das Taschengeld an die Inflation an?
Eine feste Regel gibt es nicht, aber viele Familien überprüfen den Betrag einmal jährlich, etwa zum Geburtstag oder zum neuen Schuljahr, und gleichen ihn an gestiegene Preise für Kino, Süßigkeiten oder Busfahrkarten an.
Darf ich Taschengeld als Strafe kürzen?
Pädagogisch wird davon abgeraten. Taschengeld sollte von Fehlverhalten getrennt bleiben, damit es seine Funktion als verlässliches Lernbudget behält. Bei konkretem Fehlverhalten sind andere Konsequenzen – zum Beispiel ein Gespräch oder eine Wiedergutmachung – meist wirkungsvoller als der Griff in den Geldbeutel.
Sollte Taschengeld auf ein Konto oder bar ausgezahlt werden?
Für jüngere Kinder ist Bargeld anschaulicher: Sie sehen und fühlen, wie sich der Betrag im Portemonnaie verändert. Ab etwa 10 bis 12 Jahren spricht nichts gegen ein eigenes Kinderkonto mit Karte – im Gegenteil, so lernt euer Kind schon früh den Umgang mit bargeldlosem Bezahlen und einer eigenen Kontoübersicht, bevor die erste eigene Wohnung oder Ausbildung ansteht.
Fazit
Eine Taschengeldtabelle liefert eine gute erste Orientierung – von 1 bis 2 Euro pro Woche im Vorschulalter bis zu 55 bis 75 Euro monatlich bei volljährigen Schülerinnen und Schülern. Entscheidend ist am Ende aber nicht die exakte Zahl, sondern drei Dinge: Regelmäßigkeit, Unabhängigkeit von Leistung und die Bereitschaft, euer Kind auch mal eigene (kleine) Fehler mit seinem Geld machen zu lassen. Genau darin steckt der eigentliche Wert des Taschengelds – lange bevor es um die erste eigene Wohnung oder das erste Gehalt geht.
Nimm dir also am besten diese Woche noch fünf Minuten Zeit, schaut euch gemeinsam die Tabelle an und legt einen festen Auszahlungstag fest. Kleine, verlässliche Schritte wirken hier langfristig mehr als die perfekte Zahl auf dem Papier.
*Es handelt sich um einen Affiliate-Link. Wenn du darüber etwas kaufst, erhalte ich eine kleine Provision, die mir hilft, die Hosting-Kosten meines Blogs zu decken – für dich bleibt der Preis selbstverständlich gleich.







