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Es gibt diesen einen Moment, den vermutlich jede Mutter kennt. Du ziehst deinem Kind morgens die Hose an, die du im Frühjahr gekauft hast, und plötzlich sitzt der Bund auf halber Wade. Sechs Wochen. Länger hat sie nicht gehalten. Und während du überlegst, ob das jetzt eine Dreiviertelhose ist oder einfach zu klein, rechnest du im Kopf schon, was der nächste Schwung Kleidung kosten wird.
Genau an diesem Punkt taucht bei den meisten Familien das Thema Second Hand auf. Und mit ihm eine Frage, auf die es online erstaunlich selten eine ehrliche Antwort gibt: Wie viel Geld sparst du damit eigentlich wirklich? Nicht theoretisch, nicht in einer Werbebroschüre, sondern in deinem Haushalt, mit deiner Zeit und deinem Alltag.
Ich habe für diesen Beitrag Zahlen zusammengetragen, echte Preisspannen verglichen und auch die Punkte aufgeschrieben, an denen sich gebraucht kaufen nicht lohnt oder sogar riskant ist. Am Ende weißt du, welcher Betrag bei dir realistisch drin ist und wie du daraus ein System machst, das nicht nach zwei Monaten wieder einschläft.
Warum Kinderkleidung ein so großer Kostenblock ist
Kinder sind teuer, das ist keine Neuigkeit. Interessant wird es, wenn man sich anschaut, wie sich die Kosten verteilen. Das Statistische Bundesamt hat berechnet, dass Paare mit einem Kind im Schnitt rund 763 Euro pro Monat für den Nachwuchs ausgeben. Alleinerziehende liegen mit etwa 710 Euro zwar darunter, dieser Betrag macht bei ihnen aber ganze 35 Prozent der gesamten Konsumausgaben aus. Über 18 Jahre gerechnet kommen so knapp 165.000 Euro zusammen, und darin sind Betreuungskosten noch gar nicht enthalten.
Bekleidung und Schuhe sind dabei ein Posten, der mit dem Alter deutlich wächst. Bei Jugendlichen zwischen 12 und 18 Jahren summieren sich allein Kleidung und Schuhe auf durchschnittlich 63 Euro im Monat. Das sind gut 750 Euro im Jahr, für ein einziges Kind.
Bei kleinen Kindern ist der Betrag pro Teil zwar niedriger, dafür ist die Taktung brutal. Babykleidergrößen orientieren sich an der Körperlänge und steigen in Sechserschritten. Im ersten Lebensjahr durchläuft ein Baby dadurch typischerweise fünf bis sieben Größen, von 56 über 62, 68, 74 und 80 bis 86. Ein Neugeborenes wächst im Schnitt alle vier bis sechs Wochen aus seiner Kleidung heraus. Erst ab dem Kleinkindalter beruhigt sich das, dann passt eine Größe meist sechs bis zwölf Monate.
Das bedeutet: Du kaufst in den ersten drei Lebensjahren rund zehn komplette Garderoben. Jedes Teil wird ein paar Wochen getragen und ist danach oft noch tadellos. Genau deshalb ist Kinderkleidung der Bereich, in dem der Gebrauchtmarkt so gut funktioniert. Die Ware ist objektiv kaum abgenutzt.
Und der Markt ist längst kein Nischenthema mehr. Laut Erhebungen von Statista kauften 2022 rund 48 Prozent der Befragten in Deutschland Secondhandprodukte, zuletzt waren es 55 Prozent. Am häufigsten laufen diese Käufe über Onlineplattformen wie Kleinanzeigen oder Vinted, die 2023 von 68 Prozent der Secondhandkäufer genutzt wurden. Eine Analyse von PwC geht davon aus, dass gut jede zweite Person hierzulande bereits gebrauchte Kleidung gekauft hat, bei der Generation Z sind es knapp zwei Drittel.
Die ehrliche Rechnung: Was ein Saisonwechsel neu und gebraucht kostet
Damit die Frage aus der Überschrift nicht abstrakt bleibt, hier eine Beispielrechnung für einen kompletten Herbstwechsel bei einem Kindergartenkind in Größe 104. Die Preise sind typische Spannen aus deutschen Filialen und Onlineshops für solide Mittelklasseware, nicht für Designermode und nicht für die billigste Fast Fashion. Die Gebrauchtpreise entsprechen dem, was du auf Kleinanzeigen, Vinted und Kindersachenmärkten für gut erhaltene Teile bezahlst.
| Artikel | Neu | Gebraucht | Ersparnis |
| Winterjacke | 80 Euro | 20 Euro | 60 Euro |
| Matschhose und Matschjacke | 60 Euro | 18 Euro | 42 Euro |
| Winterstiefel | 45 Euro | 12 Euro | 33 Euro |
| Gummistiefel | 25 Euro | 7 Euro | 18 Euro |
| 5 Langarmshirts | 60 Euro | 18 Euro | 42 Euro |
| 3 Hosen | 60 Euro | 18 Euro | 42 Euro |
| 3 Pullover | 60 Euro | 18 Euro | 42 Euro |
| 2 Schlafanzüge | 40 Euro | 12 Euro | 28 Euro |
| Übergangsjacke | 45 Euro | 14 Euro | 31 Euro |
| Summe | 475 Euro | 137 Euro | 338 Euro |
Das sind rund 71 Prozent Ersparnis für einen einzigen Saisonwechsel. Klingt spektakulär, und genau hier setzt der ehrliche Teil an: So sauber funktioniert das im echten Leben selten.
Denn kaum jemand kauft konsequent alles gebraucht. Es fehlt immer etwas in der richtigen Größe, manches willst du bewusst neu, und zwischendurch landet doch eine Jeans im Einkaufswagen, weil es schnell gehen musste. Realistisch liegt die Ersparnis über ein ganzes Jahr betrachtet eher bei 50 bis 70 Prozent der Kleidungsausgaben.
Was das konkret heißt: Wenn du für ein Kindergartenkind zwei Saisonwechsel pro Jahr rechnest, liegen die Kleidungskosten neu bei etwa 700 bis 900 Euro. Mit einem überwiegend gebrauchten Einkauf landest du bei 250 bis 400 Euro. Die jährliche Ersparnis liegt damit bei etwa 400 bis 550 Euro pro Kind. Bei zwei Kindern, bei denen du zusätzlich weitergeben kannst, wird daraus schnell ein vierstelliger Betrag pro Jahr.
Und es gibt einen zweiten Hebel, den viele vergessen: Was du gebraucht kaufst, kannst du danach fast zum gleichen Preis wieder verkaufen. Neuware verliert beim ersten Tragen den größten Teil ihres Wertes, gebrauchte Ware hat diesen Verlust schon hinter sich. Dazu weiter unten mehr.

Wo die Ersparnis am größten ist
Second Hand lohnt sich nicht überall gleich stark. Es gibt Kategorien, in denen du den Neupreis fast halbierst, und andere, in denen du dir für zwei Euro Ersparnis viel Aufwand einhandelst. Diese Bereiche liefern die beste Rendite für deine Zeit:
- Babykleidung und Kleinkindgrößen 50 bis 98: Babykleidung wird oft nur wenige Wochen getragen. Viele Teile sind praktisch neuwertig, komplette Kleiderpakete pro Größe gibt es regelmäßig für 20 bis 40 Euro.
- Große Anschaffungen: Kinderwagen, Hochstuhl, Reisebett, Laufrad, Kinderfahrrad, Kinderzimmermöbel. Hier liegen die Gebrauchtpreise häufig 50 bis 70 Prozent unter dem Neupreis, und der absolute Betrag ist hoch. Ein einziger Kauf spart mehr als eine ganze Saison Kleidung.
- Saison und Spezialausrüstung: Skianzug, Schlittschuhe, Schwimmflügel, Regenkleidung, Kostüme für Fasching, festliche Kleidung für Einschulung oder Kommunion. Diese Sachen werden pro Jahr an wenigen Tagen getragen und sind entsprechend gut erhalten.
- Hochwertiges Spielzeug: Marken wie Lego, Duplo, Playmobil, Brio oder klassisches Holzspielzeug sind praktisch unkaputtbar und behalten ihren Wert. Ein Kilopreis für gemischte Legosteine ist meist ein Bruchteil des Neupreises.
- Bücher und Spiele: Kinderbücher, Puzzles und Gesellschaftsspiele bekommst du auf Flohmärkten und in Sozialkaufhäusern für ein bis drei Euro. Bei Büchern liegt die Ersparnis regelmäßig über 80 Prozent.
- Umstandsmode: Wenige Monate Nutzungsdauer, hohe Neupreise. Kaum eine Kategorie verliert schneller an Wert.
Wenn du dir nur einen Bereich vornehmen willst, nimm die großen Anschaffungen. Ein gebraucht gekaufter Kinderwagen für 150 statt 600 Euro spart dir in fünf Minuten so viel wie ein ganzes Jahr sorgfältiges Kleidungssparen.
Wenn dich interessiert, welche Familienausgaben insgesamt den größten Hebel haben, findest du hier eine Übersicht dazu: Familienkosten senken: Wo du wirklich sparen kannst und wo nicht.
Wo Second Hand nicht der richtige Ort zum Sparen ist
Es gibt Produkte, bei denen ich ganz klar zu Neuware rate. Nicht aus Prinzip, sondern weil die Ersparnis in keinem Verhältnis zum Risiko steht.
Autokindersitze
Der ADAC weist ausdrücklich darauf hin, dass selbst kleine, fast unsichtbare Beschädigungen dazu führen können, dass sich ein Sitz bei einem Unfall löst. Hersteller begrenzen die Lebensdauer meist auf sechs bis zehn Jahre, weil Kunststoff auch ohne Nutzung altert, Gurtschlösser schwergängig werden und Verankerungen ausleiern können. Ein Sitz muss außerdem ausgetauscht werden, wenn er in einen Unfall verwickelt war oder aus Hüfthöhe gefallen ist, und genau das erfährst du beim Kauf über eine Anzeige praktisch nie. Ein Kindersitzfachgeschäft berichtet, dass rund 70 Prozent der vorgelegten gebrauchten Sitze zu alt oder nicht mehr verkehrssicher sind.
Wenn du trotzdem gebraucht kaufst, dann nur aus dem engsten Umfeld, wo du die Geschichte des Sitzes kennst, mit Blick auf das aufgedruckte Produktionsdatum, mit vollständiger Anleitung und mit einem Probeeinbau in dein Auto. Ein Blindkauf ist laut ADAC nicht zu empfehlen.
Fahrradhelme und Skihelme
Helme bestehen im Kern aus Kunststoff und Styropor, das mit der Zeit ermüdet. Empfohlen wird ein Austausch nach etwa fünf Jahren und nach jedem Sturz, auch wenn außen nichts zu sehen ist. Bei einem Neupreis von 30 bis 50 Euro für einen guten Kinderhelm ist das der falsche Ort für Sparsamkeit.
Matratzen, Sauger und alles mit direktem Körperkontakt
Kindermatratzen verlieren ihre Stützkraft, Schnuller und Flaschensauger altern im Material. Diese Dinge gehören auf die Neukaufliste, gerade weil sie vergleichsweise günstig sind.
Erste Lauflernschuhe
Schuhe formen sich nach dem Fuß des Vorbesitzers. Bei den ersten Laufschuhen kaufe ich neu. Bei größeren Kindern und wenig getragenen Modellen, etwa Gummistiefeln oder festlichen Schuhen, ist gebraucht dagegen völlig in Ordnung.
Für genau diese Kategorie führe ich eine kurze Neukaufliste, damit ich nicht doch spontan schwach werde.

Wo du am besten kaufst und was das jeweils kostet
Jede Quelle hat ein anderes Verhältnis von Preis, Auswahl und Zeitaufwand. Das ist der eigentliche Unterschied, nicht der Preis allein.
- Kleinanzeigen: Stark bei lokalen Abholungen und bei kompletten Kleiderpaketen. Kein Versand, kein Risiko, oft Verhandlungsspielraum. Am besten mit Suchaufträgen arbeiten, zum Beispiel nach Größe und Marke, und Anzeigen mit vielen Fotos bevorzugen.
- Vinted: Riesige Auswahl, gute Filter nach Größe, Marke und Zustand. Rechne aber Versand und Käuferschutzgebühr immer mit ein. Unter etwa 15 Euro Warenwert lohnt sich ein Einzelkauf mit Versand fast nie, deshalb sind Bündelangebote hier Gold wert.
- Kindersachenmärkte und Basare: Meist die günstigsten Preise überhaupt, häufig ein bis drei Euro pro Teil. Du siehst und fühlst die Ware, du kannst Reißverschlüsse testen. Nachteil: Du musst früh da sein, Bargeld mitbringen und den Termin abwarten. Termine findest du im Veranstaltungskalender der Gemeinde oder über die Kita.
- Second Hand Läden und Sozialkaufhäuser: Vorsortiert, sauber, sofort mitnehmbar. Teurer als der Flohmarkt, aber ein sehr guter Kompromiss, wenn dir Zeit wichtiger ist als der letzte Euro.
- Tauschen im Umfeld: Der Kitakeller, die Nachbarschaftsgruppe, die Freundin mit dem zwei Jahre älteren Kind. Kostenlos, kein Aufwand, oft die beste Qualität. Wer aktiv weitergibt, bekommt auch etwas zurück.
- Mieten und Abos: Für Dinge mit sehr kurzer Nutzungsdauer, etwa eine Babywippe oder eine Tragehilfe, kann Mieten günstiger sein als kaufen und wieder verkaufen. Rechne es einmal durch, statt es als teuer abzutun.
Fünf Kaufregeln, die Fehlkäufe verhindern
- Preisanker setzen. Lege vor jedem Kauf fest, was ein Teil höchstens kosten darf. Meine Faustregel: maximal ein Drittel des Neupreises, sonst kaufe ich reduzierte Neuware.
- Pakete statt Einzelteile. Ein Paket mit 15 Teilen für 30 Euro ist fast immer besser als drei Einzelkäufe. Auch wenn drei Teile nicht passen, stimmt die Rechnung noch.
- Immer nach Details fragen. Bilder von Knien, Bündchen, Reißverschlüssen und Innenfutter anfragen. Verkäuferinnen mit vielen Bewertungen antworten in der Regel schnell.
- Nur eine Größe im Voraus. Kaufe höchstens eine Größe voraus. Alles darüber hinaus ist Lagerhaltung, und Kinder wachsen nicht nach Plan.
- Antizyklisch kaufen. Wintersachen im Frühjahr und Sommersachen im Herbst sind deutlich billiger, weil alle gerade ausmisten.
Der zweite Hebel: verkaufen statt einlagern
Die meisten Familien reden über das Kaufen und vergessen die andere Seite. Dabei liegt in fast jedem Keller Ware im Wert von mehreren hundert Euro. Wer gebraucht kauft und danach wieder verkauft, senkt seine echten Kosten pro Saison noch einmal deutlich.
Realistisch bekommst du für gut erhaltene Markenware zwischen 25 und 40 Prozent des Neupreises. Für einfache Shirts ohne Markennamen bleiben oft nur ein bis zwei Euro pro Teil übrig, deshalb lohnt es sich dort, in Bündeln zu verkaufen. Wertstabil sind vor allem robuste Outdoormarken, Wollware, hochwertige Tragehilfen und Kinderwagen bekannter Hersteller.
Wichtig ist der Zeitpunkt. Winterjacken verkaufen sich im September und Oktober, nicht im März. Wer antizyklisch kauft und zyklisch verkauft, verdient an der Differenz mit.
Der Punkt, an dem viele unsicher werden: die Steuer
Seit Anfang 2023 gilt das Plattformen Steuertransparenzgesetz. Plattformen wie eBay, Kleinanzeigen, Vinted oder momox müssen Verkäuferdaten an das Bundeszentralamt für Steuern melden, sobald jemand pro Plattform und Kalenderjahr mehr als 30 Verkäufe tätigt oder mehr als 2.000 Euro Umsatz erzielt. Eine der beiden Grenzen reicht aus.
Entscheidend ist aber: Eine Meldung bedeutet nicht automatisch, dass Steuern anfallen. Der gelegentliche private Verkauf gebrauchter Alltagsgegenstände bleibt in der Regel steuerfrei, auch wenn es viele Teile sind. Meldepflicht ist eine Informationspflicht der Plattform, kein neues Steuerrecht. Wer regelmäßig verkauft, sollte trotzdem eine simple Liste führen: Datum, Artikel, Verkaufspreis, Gebühren und, falls bekannt, der ursprüngliche Kaufpreis. Damit kannst du bei einer Nachfrage in zwei Minuten belegen, dass du deine eigenen gebrauchten Sachen verkauft und keinen Gewinn erwirtschaftet hast. Verkaufst du dagegen dauerhaft eingekaufte Ware weiter, kann daraus eine gewerbliche Tätigkeit werden. Diese Grenze solltest du im Blick behalten. Eine steuerliche Beratung ist das hier ausdrücklich nicht.
So machst du daraus ein System, das hält
Second Hand scheitert selten am Willen und fast immer an der Organisation. Diese fünf Schritte brauchen einmalig etwa zwei Stunden und danach zweimal im Jahr einen Nachmittag.
- Bestandsaufnahme machen. Sortiere alles, was im Haus ist, nach Größe und Saison in beschriftete Boxen. Du wirst überrascht sein, wie viel du schon hast. Viele Fehlkäufe passieren nur, weil niemand weiß, was im Keller liegt.
- Größenliste anlegen. Notiere aktuelle Kleidergröße, Schuhgröße, Innenbeinlänge und Kopfumfang deines Kindes in einer Notiz auf dem Handy. Wenn du auf dem Flohmarkt oder in der App stehst, entscheidest du damit in Sekunden statt zu raten.
- Ein eigenes Kleidungsbudget einrichten. Statt spontan zu kaufen, legst du einen festen Monatsbetrag pro Kind zur Seite, zum Beispiel 30 bis 50 Euro. Am einfachsten funktioniert das mit einem eigenen Unterkonto, auf das der Betrag automatisch fließt und von dem du auch die Verkaufserlöse wieder zurücklegst.
Ich nutze dafür ein separates Konto, damit sich das Kinderbudget nicht mit dem Haushaltsgeld vermischt. Wenn du so etwas noch suchst: Das kostenlose Girokonto der C24 Bank* bietet mehrere kostenlose Unterkonten, sogenannte Pockets, in die du dein Kleidungsbudget und deine Verkaufserlöse getrennt einsortieren kannst. Für mich war das der Moment, in dem Sparen plötzlich sichtbar wurde, weil ich nicht mehr geschätzt habe, sondern gesehen, wie viel für Kleidung noch da ist.
- Zwei feste Termine im Jahr. Trag dir zwei Termine im Jahr ein, etwa Ende Februar und Ende August. An diesen Tagen misst du das Kind, sortierst aus, kaufst gezielt nach und stellst alles Ausgemusterte online oder für den Basar zusammen. Kaufen und Verkaufen in einem Rutsch, das spart enorm viel Zeit.
- Ordentlich lagern. Was für ein jüngeres Geschwisterkind aufgehoben wird, gehört sauber gewaschen, sortiert und beschriftet in Vakuumbeutel oder stapelbare Boxen. Passende Aufbewahrungsboxen und Vakuumbeutel bekommst du günstig zum Beispiel bei Amazon*. Falsch gelagerte Kleidung riecht muffig und ist am Ende doch Müll, damit ist die ganze Ersparnis wieder weg.
Wenn du das Kinderbudget in eine größere Haushaltsplanung einbetten willst, hilft dir dieser Beitrag beim Aufsetzen: Familienbudget erstellen: So bekommst du endlich den Überblick über dein Geld.
Die versteckten Kosten, über die selten jemand spricht
Damit dieser Beitrag ehrlich bleibt: Second Hand ist nicht gratis. Es kostet dich etwas anderes als Geld.
- Zeit: Wer drei Stunden durch Anzeigen scrollt, um 60 Euro zu sparen, arbeitet rechnerisch für 20 Euro die Stunde. Das kann sich absolut lohnen. Es kann aber auch der Punkt sein, an dem du lieber im Sale kaufst und die Zeit anders nutzt. Beides ist eine legitime Entscheidung.
- Der Schnäppchenreflex: Wenn ein Teil vier Euro kostet, kauft man schnell zwölf davon. Am Ende hast du 48 Euro ausgegeben und einen vollen Schrank, obwohl du nur eine Hose gebraucht hättest. Die Ersparnis ist nur dann echt, wenn sie auf dem Konto bleibt.
- Versand und Gebühren: Zwei Einzelkäufe mit je fünf Euro Versand fressen die Ersparnis eines Shirts komplett auf. Immer den Endpreis vergleichen, nie den Artikelpreis.
- Fehlkäufe: Die Größe fällt anders aus, der Fleck war auf dem Foto nicht zu sehen. Kalkuliere ein, dass etwa jedes zehnte Teil nicht passt. Bei den Preisen ist das verkraftbar, es sollte dich nur nicht überraschen.
- Platz: Alles, was du aufhebst, braucht Raum. Wenn du dafür extra Regale oder einen Kellerabteil brauchst, rechne das mit ein.

Was aus dem gesparten Geld werden kann
Sparen ist nur dann etwas wert, wenn das Geld nicht einfach anderswo versickert. Angenommen, du sparst durch konsequenten Gebrauchtkauf und regelmäßigen Verkauf 50 Euro im Monat pro Kind. Das sind 600 Euro im Jahr. Über zehn Jahre sind das 6.000 Euro eingezahltes Kapital, ganz ohne Zinsen oder Rendite gerechnet. Bei zwei Kindern verdoppelt sich der Betrag.
Das Entscheidende ist der Automatismus. Wenn der gesparte Betrag am Monatsanfang auf ein separates Konto oder in einen Sparplan wandert, merkst du ihn nicht. Bleibt er auf dem Girokonto, ist er in drei Monaten weg und niemand weiß, wohin.
Wie viel du als Familie realistisch zurücklegen kannst und welche Größenordnung sinnvoll ist, habe ich hier ausführlich aufgeschrieben: Wie viel Geld sollte eine Familie im Monat sparen?.
Häufige Fragen zu Second Hand für Kinder
Wie viel Prozent spart man mit gebrauchter Kinderkleidung wirklich?
Bei einzelnen Teilen sind 60 bis 80 Prozent gegenüber dem Neupreis normal. Über ein ganzes Jahr betrachtet, in dem du eben nicht alles gebraucht bekommst, landen die meisten Familien bei 50 bis 70 Prozent ihrer Kleidungsausgaben. Bei einem Kindergartenkind entspricht das grob 400 bis 550 Euro im Jahr.
Ist gebrauchte Kinderkleidung hygienisch unbedenklich?
In der Regel ja. Wasche alles vor dem ersten Tragen bei der höchsten für das Material zulässigen Temperatur. Ein oft genannter Nebeneffekt: Kleidung, die schon viele Waschgänge hinter sich hat, enthält weniger Rückstände aus der Produktion als fabrikneue Ware. Finger weg würde ich nur bei sichtbarem Schimmel, starkem Geruch oder Textilien lassen, die klar nach Feuchtigkeitsschaden riechen.
Kleinanzeigen oder Vinted, was lohnt sich mehr?
Kleinanzeigen ist stärker bei großen Teilen und ganzen Paketen aus der Region, weil kein Versand anfällt. Vinted ist stärker, wenn du gezielt eine bestimmte Marke in einer bestimmten Größe suchst. Für Verkäuferinnen gilt umgekehrt dasselbe: Sperriges lokal, Markenkleidung online.
Muss ich meine Verkäufe versteuern?
Der Verkauf eigener gebrauchter Alltagsgegenstände ist in aller Regel steuerfrei. Ab mehr als 30 Verkäufen oder mehr als 2.000 Euro Umsatz pro Plattform und Jahr meldet die Plattform deine Daten an die Finanzverwaltung. Das ist eine reine Meldung, keine automatische Steuerpflicht. Führe zur Sicherheit eine einfache Übersicht deiner Verkäufe.
Ab welchem Alter wollen Kinder keine gebrauchte Kleidung mehr?
Das wird meist im späteren Grundschulalter zum Thema, wenn Marken plötzlich eine Rolle spielen. Der Kompromiss, der bei uns funktioniert: Genau dann wird Second Hand besonders wertvoll, weil das gewünschte Markenteil gebraucht bezahlbar ist. Wenn dein Kind ohnehin ein eigenes Budget verwaltet, lässt sich das gut verbinden. Wie viel dabei altersgerecht ist, findest du in der Taschengeldtabelle auf diesem Blog.
Fazit
Second Hand für Kinder ist keine Notlösung und auch kein Lifestyle. Es ist schlicht die vernünftigste Antwort auf ein Produkt, das nach sechs Wochen zu klein und trotzdem noch fast neu ist.
Die realistische Ersparnis liegt bei 400 bis 550 Euro pro Kind und Jahr, wenn du Kleidung konsequent gebraucht kaufst. Wer zusätzlich die großen Anschaffungen gebraucht kauft und alles Ausgemusterte wieder verkauft, kommt in vielen Familien auf deutlich mehr. Ausgenommen bleiben Kindersitze, Helme, Matratzen und Sauger, dort ist neu die richtige Entscheidung.
Fang nicht mit allem gleichzeitig an. Nimm dir an diesem Wochenende eine Stunde, sortiere die Kleidung deines Kindes nach Größen, schreib dir die aktuellen Maße ins Handy und richte ein eigenes Unterkonto für das Kinderbudget ein. Das ist der ganze Startaufwand. Alles Weitere ergibt sich von selbst, sobald du siehst, was am Ende des Monats übrig bleibt.
* Affiliate Link. Wenn du darüber etwas abschließt oder kaufst, erhalte ich eine kleine Provision, die mir hilft, die Kosten dieses Blogs zu decken. Für dich ändert sich am Preis nichts.








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